There is no waste, it’s plain and simple raw material!
António Rios de Amorim
Allow me to introduce the main characters …
- Kork, nachwachsender Rohstoff, in seiner Verwendbarkeit ein „Tausendsassa“ mit negativer CO2-Bilanz.
- Chlor, ein Element aus der Gruppe der Halogene, das in der Natur nicht elementar vorkommt, sondern nur gebunden in verschiedenen Verbindungen, z. B. im Kochsalz (NaCl = Natriumchlorid). In elementarer Form ist es ein gelbgrünes Gas, daher der Name: χλωρός chlōrós, ‚hellgrün‘.
- 2,4,6-Trichloranisol (TCA), ein chlorhaltiger, aromatischer Kohlenwasserstoff von intensiv schimmlig-muffigem Geruch.
You need to know the Chemical basics of the stuff and its interaction …
Wie entsteht elementares Chlor?
Elementares Chlor entsteht – in diesem Kontext allein praxisrelevant – durch natürliche biologische Prozesse, bei denen spezielle Pilze und Mikroorganismen organische Chlorverbindungen als Stoffwechselprodukt erzeugen.
Wie mutiert Chlor zu Trichloranisol?
Gelangen Chlorphenole (wie Trichlorphenol), woher auch immer sie gekommen sein mögen – aus Putzmittel, Waschmittel, gechlortem Trinkwasser, fungiziden Holzschutzmitteln, der Umgebungsluft … usw. – in Kontakt mit organischen Materialien, etwa in der Rinde von Korkeichen, in Holzfässern oder in Lagerkartons, besiedeln Schimmelpilze und andere Mikroorganismen insbesondere bei feuchten Umgebungsbedingungen das organische Material. Im Zuge ihres Stoffwechsels methylieren diese Schimmelpilze und Mikroorganismen die Chlorphenole. Das bedeutet, sie fügen eine Methylgruppe hinzu. Aus den geruchlosen oder schwach phenolisch riechenden Chlorphenolen entsteht so der böse Geist namens 2,4,6-Trichloranisol (TCA).
2,4,6-Trichloranisol ist geschmacklich selbst in geringsten Konzentrationen festzustellen; die Wahrnehmbarkeit (sensorische Grenze) wird aktuell zwischen 0,03 – 5 ng/l je nach Studie und Matrix des Weins/Wassers angegeben, die Geruchsschwelle in der Raumluft mit 2 ng·m−3. Geschmacklich auffällig in Wein ist die Verbindung bereits in Konzentrationen oberhalb 15–20 ng/l. Die Nachweisgrenze von löslichem TCA-Gehalt ist gleich oder kleiner 0,3 ng/l definiert. Ein oft zitiertes Beispiel aus der Sensorik: Bereits 1 Kubikzentimeter (ca. 1 Gramm) reines Trichloranisol reicht theoretisch aus, um 10 Millionen Liter Wasser olfaktorisch zu verunreinigen. Für ein großes Schwimmbecken mit 500.000 Litern Wasser (ein typisches 25-Meter-Sportbecken) reichen rechnerisch bereits winzige 50 mg TCA, um das gesamte Becken geschmacklich zu beeinträchtigen.
Und wie kann verhindert werden, dass der böse Geist in die Flasche gerät?
Der Kampf beginnt in den Korkeichenwäldern. Durch Entfernen des Unterholzes und Verzicht auf Pestizide wird die Ansiedelung von Rindenpilzen verhindert.

Bei der weiteren Behandlung gilt es, mikroflorale und mikrobakterielle Belastung bestmöglich zu minimieren – durch strikte Sauberkeit und Reduzierung von Feuchtigkeit, initial mit einer Lagerung im Freien für die Dauer von sechs Monaten bei guter Durchlüftung, ohne direkten Bodenkontakt.

Es folgen sorgfältiges Dämpfen und Plätten der Korkplatten,

dann Kochen der Korkplatten bei knapp unter 100 Grad Celsius für eine Stunde,

dadurch weitere Reduzierung von Schadstoffen und mikrobakteriellem Befall, dann wieder Abkühlen und Trocknen, um Nährboden für Pilze und Mikroorganismen zu minimieren – und immer wieder kontrollieren, kontrollieren, kontrollieren, optisch und sensorisch.
Im nächsten Schritt wird nach Qualität und Stärke sortiert,

und nur die feinsten Rinden werden von Hand zum Premiumstopfen gestanzt.

Aber es gibt nicht nur „Nobelstopfen“, es wird alles verwertet! Jeder Krümel Kork findet seine Verwendung.

Das Korkgranulat wird nach Größe sortiert

und dann wieder Reinigen des Korkgranulats, mit allem, was das Arsenal der „Putzwaffe“ zu bieten hat: Druck, Hitze, Heißdampf und in der Highend-Variante der Einsatz von überkritischem Kohlendioxid, das bei einer Temperatur von mehr als 304,13 K (30,98 °C) und einem Druck von über 7,375 MPa (73,75 bar) entsteht.
Schlussendlich wird das bestmöglich gereinigte Granulat verklebt und verpresst zur endgültigen Form.

Gleichgültig ob „Nobelstopfen“ oder Granulatkorken – das für sich betrachtet gebrauchsfertige Produkt wird erneut kontrolliert, und das abermals mit Hightech und nicht nach und mit „Gefühl“, sondern nach Maßgabe der ISO 20752 in der aktuellen Fassung 2023-12, zunächst gerne „wie früher“,

möglich aber auch – und das Millennien besser und genauer – mit Gaschromatographie/Elektroneneinfangdetektor und Gaschromatographie-Massenspektrometrie, und das in robotergestützten Inspektionslinien mit Machine-Learning-Algorithmen, die sensorisch kritische Verbindungen im Spurenbereich zuverlässig aufspüren. Jeder einzelne Korken wird bei Laborsauberkeit von einem computergesteuerten Greifer gefasst, in eine Kontrollkammer eingeführt, dort analysiert und alsdann maschinell sortiert nach „sauber – ? – kontaminiert“; „? + kontaminiert“ werden eliminiert.
Solche Technik hat ihren Preis, den die Korkindustrie an den Kunden durchreichen muss. Der Kunde, der die Highend-Überprüfung wünscht, muss einen Obolus zum Aufwand leisten, heißt konkret 0,15 €/Kork zusätzlich zum Preis des nicht robotergestützt überprüften Stopfens.
Man sollte meinen, dass es für einen qualitäts- und kundenorientiert denkenden Erzeuger keine Alternative gibt. Der Sieg gegen den TCA ist unser! (… gegen Zahlung von 0,15 € pro Stopfen 😊) Die Zeiten, in denen der Korkstopfen „… immer der Mörder“ war, sind vorbei. Frei nach Schiller: „The Butler has done his work; the Butler may go.“
Koblenz, den 23. Mai 2026
Johannes Mogg
Quellen
- wein.plus – Wie natürlich ist Naturkork? Nachwachsender Rohstoff trifft auf Hightech
- PCC – Chlor-Derivate
- PCC – Die Geschichte des Chlors
- Wiley Online Library – Studie zu Trichloranisol (TCA)
- Amorim Cork – Neutro Premium
- Amorim Cork – Xpür (überkritisches CO₂)
- DIN Media – ISO 20752
- ANSI – ISO 20752:2023 Cork Stopper TCA Testing
- Amorim Cork – NDtech