
Vortrag von Jörg Philipp (China-Spezialist und Autor des Buchs „Der chinesische Weindrache“).
Der chinesische Weinbau hat in den letzten Jahren immer wieder von sich Reden gemacht. Einerseits durch die enorme Rebfläche von um die 750.000 ha (Stand 2025), gleichzeitig findet man in Deutschland selten Weine aus dem Reich der Mitte. Woher rührt das?
China hat eine sehr lange Geschichte mit Trauben, die sich auf über 9.000 Jahre datieren lässt. Gleichzeitig ist die Hinwendung zum Thema Wein in der Neuzeit eher in den 1980ern zu verankern. Eine klassische Weinkultur hat sich in dieser kurzen Zeit noch nicht entwickeln können. Dafür sind der Innovationsdrang und die offene Herangehensweise manchmal sehr erfrischend.

Nach einer kurzen Einleitung durch Jörg Philipp, der verdeutlicht hat, dass vieles über den chinesischen Weinbau erst seit kurzem bekannt ist – China beschloss 2024 der OIV beizutreten – bekamen wir Insiderwissen von Philipp, der seit 15 Jahren in China unterwegs ist. Die Rebfläche wurde durch die OIV über Jahre hinweg geschätzt und war hochgegriffen. Ein weiterer Punkt ist, dass große Teile der Rebfläche für den Anbau von Esstrauben und Rosinen genutzt werden. Philipp schätzt, dass um die 20 % der 750.000 ha für den Weinbau bestimmt sind. Dies kam über Recherchen vor Ort und Gespräche mit Weinbauverbänden zu Tage.

Vorgestellt wurden die aktuell bedeutenden Weinbauregionen Shandong, Ningxia und Yunnan. Weine gab es aus Yunnan, Ningxia, Hebei, Peking, Dongbei und Xinjiang. Ein Lychee-Eiswein aus Guangdong machte den Abschluss, um den Trend der Fruchtweine in China zu verdeutlichen. Überrascht waren die Teilnehmer über die Qualität der Weine und die Lagerfähigkeit, da auch gereifte Weine ausgeschenkt wurden.
Verkostungsliste
- Chalu Oolong Sparkling Tea aus Yunnan
- Château Bolongbao Organic Chardonnay 2015 aus Peking
- Canaan Wine Estate Reserve Chardonnay 2016 aus Hebei
- Guofei Shiraz 2017 aus Xinjiang
- Legacy Peak Marselan 2023 aus Ningxia
- Tontine Snow Aromatic mit den Rebsorten Beibinghong und Shuanghong aus Dongbei
- ShunChangYuanSCY Winery Lychee Ice Wine aus Guangdong

Aus den Erläuterungen von Jörg Philipp und den vorgestellten Weinen lässt sich im Ansatz erahnen, welches Potential und welche Vielfalt in China existieren. Bereits die verschiedenen Klimazonen, von subtropisch, über Höhen bis 3.500 m in Tibet, zu den Wüstenbereichen, in denen Reben vergraben werden müssen, zeichnen das Bild eines Landes mit einer faszinierenden Vielfalt.
Ein Wermutstropfen ist sicher der hohe Preis chinesischer Weine. Hohe Investitionskosten, Vergraben der Reben im Winter und lange Wege zum Weinliebhaber haben ihren Preis.
Jörg Philipp, DipWSET, Weinfachberater IHK, Autor „Der chinesische Weindrache“
www.degustar.de, Kontakt und Buchbestellung über info@degustar.de